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Wersten
und wie es wurde, was es heute ist. Von
Dr. Karl Dross |
 Grabungsfunde
(ein Glockenbecher und ein Faustkeil, zurzeit im Stadtmuseum) aus dem Gebiet
des heutigen Wersten lassen darauf schließen, dass schon in vorgeschichtlicher
Zeit in diesem Teil der Rheinaue gesiedelt wurde. Bis zur Regulierung des
Rheinstroms um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren jedoch größere
Bereiche des heutigen Siedlungsgebiets von Sümpfen bedeckt, aus denen
Sandrücken herausragten, die auch bei Hochwasser nur selten überflutet
wurden und sich somit zur Besiedlung eigneten. Da bei größeren
Hochwassern der Rhein sich häufig ein anderes Bett suchte, gab es
auch auf dem Gebiet von Wersten Seitenarme des Stromes, die heute nur noch
mit Mühe auszumachen sind. Zum Beispiel die „Kuhle“ zwischen Cronenberger
Weg und Röntgenweg, die sich jenseits der Mergelgasse fortsetzt und
auch auf der anderen Seite der Ickerswarder Straße hinter der Schule
am Massenberger Kamp zu erkennen ist.
Der Name
„Werstin“ taucht allerdings erstmals zu Anfang des zweiten Jahrtausends
nach Christi Geburt auf und geht auf eine Anlage aus der Römerzeit
zurück. Während das linke Rheinufer fest in der Hand der Römer
war, wurden rechtsrheinisch im Vorfeld Verteidigungsanlagen errichtet,
die viele Jahrhunderte weiter genutzt worden sind und späterhin „Landwehr"
oder „Wehrhagen“ genannt wurden. Dort, wo die alte rechtsrheinische Heerstraße
diesen Wall querte, gab es wohl einen Turm: den Wehrstein.
Eine zweite
Ansiedlung, die schon lange ebenfalls zu Wersten gehört und sich an
der Kölner Landstraße zwischen der südlichen Düssel
und dem heutigen Werstener Kreuz befand, wurde „Windfoche“ genannt. |
| Mit
freundlicher Genehmigung des Heimatvereins Werstener Jonges, entnommen
seiner Jubiläumsbroschüre zum 50-jährigen Bestehen. |
Großstadt
lockte mit Strom (WZ,
29. Mai 2007, von Angela Everts) |
| Vor 100 Jahren wuchs
Düsseldorf rapide. Erster neuer Stadtteil wurde Wersten. |
Wer heute die
Kölner Landstraße entlangblickt, mag es kaum glauben: Aber Wersten
war früher ein
Bauerndorf mit 13 großen
Höfen und einer unbekannten Zahl von Katen. Die Bauern beackerten
ihre Felder entlang der Düssel. An der Chaussee von Duisburg nach
Köln, der heutigen Kölner Landstraße, gab es Fuhrunternehmen,
Gasthäuser und bescheidenes Gewerbe. Daran änderte selbst die
beginnende Industrialisierung wenig. Allerdings wurde Wersten als billiges
Bauland für Arbeiterquartiere entdeckt.
"Vor
100 Jahren bestand unser Stadtteil aus einem bunten Mosaik verschiedener
Bauformen", sagt Wolfgang Butgereit, der das Fotoarchiv der Werstener Jonges
betreut. Belegen kann er diese Entwicklung mit vielen Bildern: Niedrige
Bauernhäuser bestimmten das Bild auf der Werstener Dorfstraße
und der Kölner Landstraße. Mit den Einwohnern aber ging es sprunghaft
in die Höhe: Um 1908 wohnten 5550 Menschen in Wersten.
Wersten erhoffte
sich viel von der Düsseldorfer Infrastruktur.
Das
zeigte sich vor allem auf der Kölner Landstraße: Neben den alten
Bauten schossen großstädtisch anmutende Miets- und mehrstöckige
Geschäftshäuser in die Höhe. Wie von einer Zeitreise übrig
geblieben ist die Ecke zur Opladener Straße. Eine Postkarte, mit
der das Gasthaus "Zur Weiche" um 1900 um Kunden warb, belegt eine fast
unveränderliche Häuserfront - nur dass die deutsche gegen eine
griechische Küche ausgetauscht wurde.
Doch
dieser Aufschwung war nur scheinbar: In Wersten gab es kein Licht, keine
Kanalisation und kein fließendes Wasser. |
Fast schon
großstädtisch präsentierte sich um 1900 die Kölner
Landstraße an der Ecke Opladener straße. Diese Gebäudeflucht
ist - inklusive Restaurant - bis heute unverändert geblieben.

Typisch für
die Kölne Landstraße blieben aber noch lange solche Hausformen.

Dorfcharakter pur:
Die Familie Perpeet auf der Werstener Dorfstraße 241.
(Fotos: Archiv Werstener
Jonges) |
Deshalb wurden 1903 nach
einer Epidemie auf der Kampstraße fünf Gemeindemitglieder bei
der Stadt vorstellig und baten um Eingemeindung. Zwar hätten Wasser,
Gas und Strom auch aus Benrath (wozu Wersten verwaltungsrechtlich gehörte)
bezogen werden können, doch die meisten Werstener arbeiteten in Düsseldorf,
außerdem waren dort die Steuern niedriger als in Benrath.
Nun
bewirken fünf Bürger noch keine Eingemeindung. Doch die Werstener
blieben hartnäckig: 1905 erklärten sie sich gemeinsam mit Himmelgeist
als selbstständig und nahmen die Verhandlungen mit Düsseldorf
wieder auf. 1906 wurde der gewünschte Vertrag über die Lieferung
von Gas, Wasser und Strom geschlossen. Am 28. Mai 1907 beantragte die Gemeindeversammlung
offiziell die Eingemeindung nach Düsseldorf. |
Eingemeindung
1806
Bei der napoleonischen Neuordnung wird Wersten Teil der Marie Benrath.
Das wird auch bei den Preußen beibehalten.
1903
Erste erfolglose Bemühungen, ein Teil von Düsseldorf zu werden.
1905
Loslösung von Benrath, gemeinsam mit Himmelgeist.
1906
Vertrag mit der Stadt Düsseldorf über die Lieferung von Gas,
Wasser und elektrischer Energie.
28. Mai 1907
Die Werstener Gemeindeversammlung beschließt die Eingemeindung nach
Düsseldorf.
1. April 1908
Eingemeindung von Wersten nach Düsseldorf.
1. April 1909
Die Stadtteile Himmelgeist, Stockum, Rath, Gerresheim, Eller und Heerdt
folgen. |
Ons
Wähschde, dat is leevenswäht!! Von
Dr. Karl Dross |
 Als
Anfang Mai des Jahres 1831 – also vor nunmehr genau 175 Jahren – Heinrich
Heine auf dem Weg ins Exil den Rhein überquerte, raunte ihm der alte
Vater Rhein zu: „J'aime, tu aimes, nous aimons …“. Wen oder was liebte
der alte Vater Rhein? Wir Werstener sind uns sicher: Er meinte Wersten!
Zwar liegt Wersten nicht
direkt am Rhein, aber nachgerade ist ja allgemein bekannt, dass etwas,
wonach man sich strecken und recken muss, was nicht so ganz leicht zu sehen
und zu haben ist, einen besonderen (Lieb-) Reiz hat. Das Dörfchen
entlang der Düssel hatte damals etwas von einer drallen, kräftigen
Bauerndirne, und es ist gut bekannt, dass sowohl Heine wie auch der alte
Vater Rhein ein besonderes Faible für dralle, kräftige Frauen
hatten.
Im Laufe
der nächsten hundert Jahre veränderte sich das ziemlich heftig.
Als Wersten im Jahre 1908 eingemeindet wurde, hatte zwar hatte der Oberbürgermeister
Düsseldorfs behauptet, er wolle aus der Bauerndirne ein schmuckes
Mädchen machen, aber dieser Ankündigung folgten keine entsprechenden
Taten. Im Gegenteil, Wersten musste als Deponie für die Probleme des
reichen Düsseldorfs herhalten. Wann immer irgendetwas aus der Innenstadt
abgeschoben werden musste: In Wersten gibt es ja noch freie Flächen.
Ein wesentlicher Grund für
die Werstener, die Eingemeindung nach Düsseldorf zu betreiben, war
der Wunsch nach Anschluss an die Wasser- und Abwasserleitung der Stadt,
weil kurz zuvor eine Epidemie Wersten heimgesucht hatte, die mit unreinem
Trinkwasser zu tun hatte und manchem Werstener Kind das Leben gekostet
hatte. Bis zum Anschluss der letzten Werstener Grundstücke an die
Entwässerungsleitungen sollten noch 80 Jahre nach der Eingemeindung
vergehen!
Aber wie
das häufig so ist: Der Zusammenhalt der Bürger und die Liebe
zu ihrem Stadtteil wurden dadurch eher bestärkt. Und da mittlerweile
das Interesse der Stadt an freien Flächen darin besteht, Einfamilien-Reihenhäuser
zu bauen, und wir Werstener gegen heftigen Widerstand die Tieferlegung
der A 46 und die Ausrichtung der BuGa – und damit die Erstellung des Südparks
– durchgesetzt haben, ist Wersten mittlerweile ein „schmuckes Mädchen“
geworden. Und wir lieben Wersten! |
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